Lifestyle: Die (Un-) Schönheiten der Bürokratie

Ich freue mich, es ist Sommer und ich darf wieder meinen BAföG-Antrag stellen. Verzeihung, meinen Antrag auf das Bundesausbildungsföderungsgesetz. So viel Zeit muss sein. Es ist dann der Letzte – Schade eigentlich. Ich hatte mich schon jedes Jahr auf das Ritual gefreut, wenn ein Haufen Zettel und Unterlagen verteilt auf meinem Schreibtisch liegen und ich dann noch herausfinden muss, wieso ich das Formular A1 brauche, aber das Formular A1.1 unnötig ist. Da werden anstehende Prüfungen und Abgaben für die Universität doch glatt irrelevant und man kann sich auf das Wichtige im Leben konzentrieren – das Überleben im Bürokratiedschungel. Ich meine das ist wirklich wichtig für die Zukunft.marker-160548_640

Außerdem kann ich dann wieder den sozialen Kontakt mit meiner BAföG-Beraterin auffrischen. Sie findet es bestimmt toll, wenn ich sie wieder tausendmal anrufe und ihr maile und meinen abgeschickten Antrag zurückziehe, weil ich das Formular XY mit dem Formular AB verwechselt habe. Ich meine, es ist ja klar, dass ich die einzige bin, die diese Formulare im Sommer ausfüllen muss und sie sonst keine weitere Arbeit hat.

Mein Drucker ist auch begeistert, wenn er mal wieder eine neue Patrone bekommt, weil ich bestimmt hundert Seiten doppelt ausdrucke, da ich irgendwo noch etwas ändern muss. Diese intensive Pflege von mir und liebevolle Streicheleinheiten, gepaart mit nett gemeinten Schimpfwörtern gönne ich ihm sonst viel zu selten. Ich sollte ihm wirklich einmal etwas Gutes tun. Vielleicht wenn ich noch die Steuern mache, aber die gibt es leider erst nach dem Studium wieder. Ich bin schließlich ein treuer Mensch. Entweder Steuererklärung oder BAföG. Wobei ich meine Steuererklärung früher öfters durch Programmhilfe vernachlässigt habe. Sie wird sich bestimmt in den nächsten Jahren auf mich freuen. Ich meine drei Jahre Studium, da ist einiges aufzuholen. Nicht nur Studiengebühr, auch Fahr – und Materialkosten und noch viel mehr.

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Da fällt mir ein, wenn der BAföG-Antrag gestellt werden muss, muss ich auch der GEZ einen neuen Antrag stellen. Verzeihung, der Rundfunkgebühr. Ich gucke natürlich jeden Tag ARD und ZDF und es wäre mir eine Freude diesen Beitrag zu zahlen, leider bin ich BAföG-berechtigt und von dieser Würde befreit. Wenn ich Meister-BAföG beziehen würde, sehe das anders aus. Diese Menschen haben nämlich die Ehre die Rundfunkgebühr zu bezahlen. Ich bin schon ein wenig neidisch.

Ich glaube ganz so traurig brauche ich nicht zu sein. Deutschland hat uns lieb und will einfach, dass wir weiterhin die einschlägigen Foren bedienen und uns gegenseitig darüber aufklären, wie man Formular XX für den Bausparvertrag, den Adoption Antrag, die Geburtsurkunde oder eben BAföG ausfüllt. Ich empfehle wirklich jedem, der ein inniges Verhältnis mit Papier, seinem Drucker und Formularen hat, nach Deutschland zu kommen. Hier kommt man bestimmt auf seine Kosten und vor allem kurbelt man damit die Wirtschaft an. Ob es vielleicht günstiger ist, einfach auf das Ausfüllen der Formulare zu verzichten und die Materialkosten zu sparen?

Johanna

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